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Das Lernsystem Informationskompetenz im Vertiefenden Unterricht (LIK-VU)

Laut der Landesverordnung Schleswig-Holsteins über die Gestaltung der Oberstufe der Gymnasien und Gesamtschulen in Schleswig-Holstein (Oberstufenverordnung - OVO) vom 21. Dezember 1998 (§ 2 Abs. 2) ist für alle Schulen des Landes in der 11. Klasse das Fach „Vertiefender Unterricht (VU)“ mit einer Doppelstunde (90 Min.) pro Woche vorgeschrieben. Vorgesehen ist „vertiefendes“ wissenschaftliches Arbeiten. In Ermangelung genauerer Richtlinien lassen die Lehrkräfte dieses an Themen ihrer Wahl üben. Das Lernziel „wissenschaftliches Arbeiten“ wird häufig von den Lernenden nicht wahrgenommen, so dass VU gelegentlich das Image „Spielwiese der Lehrer“ bekommt.

Um dem vorzubeugen, wird bei LIK-VU die Informationskompetenz mit ihren vier Seiten als alleiniges Lernziel definiert und präsentiert.

Eine völlig freie Themenwahl macht Lust auf die Übung und gibt den Lernenden die Möglichkeit, sich schon vorhandener Informationskompetenz bewusst zu werden und sie mit noch nicht vorhandenen Techniken zu verknüpfen. So dient die erste VU-Stunde, die unbedingt in der kooperierenden Bibliothek stattfinden muss, der Vorrecherche und dem spontanen Austausch der Lernenden („Was machst du denn da?“ - buddy-system).

Am Schluss der Veranstaltung werden die gewählten Themen kurz vorgestellt und ihr Umfang beraten: „Nimm kein Fliegenbein, das wäre eine Doktorarbeit, nimm keinen Fliegenschwarm, sonst verlierst du den Überblick, nimm eine Fliege!“, also, nicht „die Intelligenz“, sondern „Wie misst man die emotionale Intelligenz?“.

Die Bandbreite der gewählten Themen geht von Musik, Kino, Sport, Okkultismus über persönliche Spezialgebiete bis zum Recycling von Referaten für andere Schulfächer, und das ist eine gute Vorbereitung auf den Wissenschaftsbetrieb.

Die nächste Aufgabe zur Vorbereitung des Referats ist die Recherche und die Erstellung eines Rechercheprotokolls. Dazu bekommt jede/r Schüler/in ein Musterrechercheprotokoll („Check das aus: Afro-Reggae“), die Beurteilung eines Musterrechercheprotokolls und ein Musterreferat. Das Protokoll enthält alle mit den Lehrenden festgelegten Bestandteile und Stationen: Vorüberlegung, Suchstrategie und -begriffe, Zeit, Ort, Suchweg, Beurteilung der Kosten und der Quellenlage - Brockhaus 2000, Encarta 2000, Schulbücherei, Stadtbücherei, ZKSH, google, Düsseldorfer Virtuelle Bibliothek und Befragung einer Expertin oder eines Experten.

Es genügt nicht, die Muster zu verteilen und zu erläutern, sie müssen in regulären Veranstaltungen in Gruppen nachgespielt und erarbeitet werden. Die Offenlegung der Beurteilungskriterien (alle Bestandteile und Stationen) hilft den Lernenden, Abläufe auszuprobieren, die ihnen nicht geläufig oder bekannt sind oder die sie für uninteressant halten.

Wenn die Bedingungen dies zulassen, wird per E-Mail kommuniziert, untereinander und mit der Tutorin in der Bibliothek: „Ich finde nix zu meinem Thema!“ - „Nimm als ersten Einstieg immer ein allgemeines Nachschlagewerk.“

Die Protokolle werden von der Lehrkraft an die Bibliothek weitergeleitet und von dieser nach den Kriterien beurteilt und mit Tipps ergänzt: „Liebe Sabine, um deine persönliche Recherchekompetenz zu verbessern, kannst du verstärkt mit Internetverzeichnissen arbeiten (vgl. Musterrecherche DVB).“

Die Standards der Referate (Literaturliste nach DIN 1505, T. 2) und der Präsentationen werden offen gelegt, eingeübt und ihre Umsetzung - wie das Protokoll - von der Lehrkraft bewertet (Halbjahresnote).

LIK-VU ist fest in das Curriculum folgender Schulen eingebunden:

Den Abschluss der Veranstaltungsserie bilden Einzelpräsentationen der Lernenden in Plakat- oder html-Form als Einstieg für die nächste 11. Klasse und als Nachschlagewerk und potentielles Standardisierungsinstrument für die ganze Schule. Es sind Einzelaspekte der Informationskompetenz als Tipps von Lernenden für Lernende:

  • „Wie du dein Thema findest.“
  • „Wie du mit der Düsseldorfer Virtuellen Bibliothek Informationen findest.“
  • „Zuverlässig, seriös und was noch (Informationen beurteilen)?“
  • „Die beste E-Mail Verwaltung.“
  • „Ich bin Claudia und Expertin für Textverarbeitung und helfe dir gerne weiter.“

Die Ergebnisse waren bisher eine normale Notenverteilung im Klassenverband und entsprechend der sonstigen Leistungen, außer bei einzelnen TN, die deutlich Besseres zeigten als sonst: Hauke interessiert sich nun einmal nur für Hip-Hop, und dementsprechend sind seine schulischen Leistungen. Für die Beteiligten überraschend, ist sein Rechercheprotokoll einwandfrei und sein Referat selbst für Death-Metal-Fans interessant. Durch die freie Themenwahl bekam er die Chance, seine Informationskompetenz und potentiell vorhandene Einsatzbereitschaft nachzuweisen. Bei dem Thema „Otto von Bismarck“ hätte er sie nicht bekommen.

Stimmen: „Das war wirklich sinnvoll, nicht nur für die Schule und so. Und es hat Spaß gemacht und ich habe zu meinem Thema wirklich neue Sachen gefunden!“ (Schülerin) - „Eigentlich haben wir so etwas schon immer gemacht, aber jetzt haben wir eine solide Basis.“ (Lehrerin).


Lesen Sie hierzu den Artikel:

Detlev Dannenberg: Wann fangen Sie an? Das Lernsystem Informationskompetenz (LIK) als praktisches Konzept einer Teaching Library. In: Bibliotheksdienst 34 (2000) H. 7/8, S. 1245-1259.

© 1998- 2017 Detlev Dannenberg. - Zitierempfehlung fr diese Seite: Lernsystem Informationskompetenz. Website: http:// lik-online.de/lik-vu.shtml. Version vom: 2017-12-04, 16h:34m:14s. Geladen am: 2017-12-16, 23h:37m:05s

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